Rückblick 11. Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen

Die 11. Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe ist am 8. September 2022 mit einer eindrücklichen Schlussfeier abgeschlossen worden.

Über 500 Delegierte und 3000 Besucherinnen und Besucher haben zehn Tage über konfessionelle Grenzen hinweg die Bibel in je unterschiedlichen Kontexten gelesen, in verschiedenen Formen aktuelle Themen diskutiert, Gottesdienste gefeiert und gemeinsam gebetet und gesungen.

Inhaltlich wurde beispielsweis über Fragen zum Krieg in der Ukraine, über Schöpfungsverantwortung, über Einheit der Kirchen, die Haltung der Kirchen zum Konflikt zwischen Israel und Palästina gerungen. Besonders viel Aufmerksamkeit hat das Thema Klimakrise erhalten. Unentwegt und haben jüngere Delegierte gemahnt, die Vollversammlung zu nutzen, um gemeinsame konkrete Schritte in den Kirchen anzumahnen, was in dem Papier «Der lebendige Planet: Streben nach einer gerechten und zukunftsfähigen weltweiten Gemeinschaft» aufgenommen wurde.

Der ÖRK mahnt darin alle Mitgliedskirchen «die eigenen Regierungen aufzufordern, sich an praktischen Massnahmen - und nicht nur an Verpflichtungen - zu beteiligen» und wohlhabende Länder, die für den Grossteil der Emissionen verantwortlich sind, die Führung bei der Reduzierung ihrer eigenen Emissionen und bei der Finanzierung von Emissionsreduzierung in ärmeren Ländern zu übernehmen. Dieser Aufruf richtet sich mit seinen konkreten Forderungen auch an die Kirchen in der Schweiz.

Die persönlichen Begegnungen, das gemeinsame Feiern mit vielen Menschen aus der weltweiten Kirche prägen die eigenen Erfahrungen stark und werden bleiben.

Rückblick von Synodalrat Ueli Burkhalter und Synodalratspräsidentin Judith Pörksen Roder

Sozialdiakonin Christina von Allmen aus Nidau war vom 4. bis 8. September an der 11. Vollversammlung mit dabei. Ihre Eindrücke hat sie auf Vlogs festgehalten. 

Christina von Allmen's Rückblick auf die Vollversammlung

Tag 9, 8. September 

Bereits ist der letzte Tag in Karlsruhe für Christina von Allmen angebrochen. Zeit, nun noch nicht Angesprochenes zu erzählen. Wie funktioniert diese Vollversammlung, was tun all die Menschen?

Tag 8, 7. September

An ihrem dritten Vollversammlungs-Tag besuchte Christine von Allmen einen Workshop zum Thema, wie lokale Kirchgemeinden aus Argentinien, USA, Uganda und Ghana einer Stigmatisierung von HIV-Betroffenen umgehen. Dabei zeigte sich, dass niemand etwas mit den HIV-Betroffenen zu tun haben will. Dem treten die lokalen Kirchgemeinden entgegen - Priester, Pfarrpersonen umarmen HIV-Betroffene, damit klar kommuniziert wird, dass diese zur Gesellschaft gehören. Am Schluss des Workshops sind alle aufgestanden, haben ein Lied gesungen, der Priester sprach den Segen: Diesen dichten Moment nimmt Christine von Allmen nach Hause

7. Tag, 6. September

Auch der heutige Tag war für Christina von Allmen geprägt von Gesprächen mit Menschen aus verschiedenen Ländern, aus verschiedenen Kontinenten. Ebenso eindrücklich für sie war das Beten des Vaterunser - jeder in seiner Sprache.

Seit Sonntag ist Sozialdiakonin Christina von Allmen aus Nidau an der 11. Vollversammlung in Karlsruhe mit dabei. In ihrem ersten Volg erzählt sie von ihren ersten Eindrücken und kommt zum Schluss, dass durch den gemeinsamen Bodes des Evangeliums konkrete und persönliche Eindrücke in andere Leben ermöglicht werden.


4. Tag, 3. September 

Sind die Kirchen noch zu retten

Im Stadtkloster Karlsruhe hat die «Casa Común» (das gemeinsame Haus) den Anspruch, die Vollversammlung des ÖRK kritisch zu begleiten und Ort der Begegnung für eine prophetische Ökumene zu sein. In der Diskussion zum Thema «Sind die Kirchen noch zu retten?» löste die Vikarin Annika Landt dieses Versprechen ein: «Auf dem Markt der religiösen Sinngebung produziert die Kirche religiöse Folklore, sie verklärt den Einzelnen und lullt ihn ein mit viel Service und einer Prise Tradition,» so analysiert sie innovative Angebote der Kirche. Ihre scharfe Kritik ist eine Einladung an alle Kirchen, Texte aus dem Kirchenmarketing ganz langsam zu lesen und auf ihren theologischen Gehalt zu befragen. Die Kirchen des Nordens sollen bei ihrem Selbstrettungsversuch nicht zu «agilen Dienstleistungsorganisationen» werden, die komplett vergessen, wozu sie da sind.

Heinz Bichsel

3. Tag, 2. September

Nach dem 24. Februar 2022 ist unsere Zeit ist eine andere geworden

Am dritten Tag der Vollversammlung kommt der Krieg in der Ukraine eindringlich zur Sprache. Persönliche Berichte von Ukrainerinnen und Ukrainer, jungen Menschen aus verschiedenen Regionen und Kirchenvertretern führen vor Augen, was dieser Angriffskrieg im Alltag bedeutet. Erzbischof Jewstratij von Tschernihiw und Nischyn der orthodoxen Kirche der Ukraine, berichtet darüber, dass die Bedeutung von Zeit sich innerhalb von Tagen gewandelt hat. «Unsere Zeit ist eine andere, seit dem Angriff durch Russland. Nichts ist mehr ist wie vorher. Von einer Stunde zur anderen werden Verwandte, Bekannte, Freunde von mir getötet; offensichtlich spielen Menschenleben keine Rolle und diese Menschen kommen nie mehr zurück.»

Den eindrücklichen Schilderungen folgten deutliche Aufrufe zu weiterer praktischen Hilfe für die Ukraine und die ukrainischen Flüchtenden in allen Ländern. Ein direkter offener Dialog zwischen der orthodoxen Kirche in der Ukraine und der russisch-orthodoxen Kirche ist bisher auch hier an der Vollversammlung nicht möglich. Doch es bleiben noch ein paar Tage, um weiter zu kommen.

Susanne Schneeberger

2. Tag, 1. September

Vielfarbig feiern

Was einen in Karlsruhe in den ersten Tagen am meisten beeindruckt, ist die grosse Vielfalt der Menschen an dieser Versammlung. Sie kommen aus allen Kontinenten, sind von unterschiedlicher Hautfarbe, tragen zum Teil traditionelle Kleider oder ungewohnte liturgische Gewänder. Am Schönsten zeigte sich diese Vielfalt beim Eröffnungsgottesdienst vom Mittwochabend. In vier Sprachen wurde gebetet und in noch mehr Sprachen gesungen. Die Predigt hielt der Patriarch von Antiochien - auf Arabisch. Ebenso breit vertreten waren die Musikstile: Sie reichten von vertrauter westlicher Kirchenmusik über orthodoxe liturgische Gesänge bis zu afrikanischen Liedern, bei denen man auch als eher steifer Schweizer zu tanzen begann. Man könnte meinen, auf diese Weise entstehe ein gottesdienstliches Chaos. Aber nein, wir erlebten in wunderbarer Weise, wie die vielen, oft extrem unterschiedlichen christlichen Traditionen sich harmonisch zusammenfanden im Loben, Klagen und Bitten vor Gott.

Die schwierigen Diskussionen werden noch kommen in den nächsten Tagen. Umso besser, am Anfang diese vielfarbige Feier erlebt zu haben.


Matthias Zeindler

1. Tag, 31. August 

Christus begegnet uns in den Leidenden

«Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt.» Unter diesem Leitsatz steht die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die vom 31. August bis 8. September 2022 in Deutschland stattfindet. Mehr als 4000 Teilnehmende von 352 Mitgliedkirchen aus mehr als 120 Ländern kommen in Karlsruhe zusammen, um zu beten, zu beraten und zu feiern. Am Eröffnungsplenum sprach Annette Kurschus, die Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD). «In den angetasteten, entrechteten, unter Gewalt leidenden Menschenbrüdern und -schwestern begegnet uns Christus und ruft uns zur Liebe», sagte die EKD-Vorsitzende. Um der Liebe Christi willen glaube und hoffe sie, dass ein starkes Zeugnis von der Versammlung ausgehe. Die Liebe Christi sei «keine Gefühlsduselei», so Kurschus. «Sie ist  eine Praxis: tatkräftig, verwegen, mutig, widerständig.»

Mathias Tanner


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