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Wort auf den Weg

«Seht, ich schaffe Neues, schon spriesst es, erkennt ihr es nicht?» Jesaja 43, 19

Frühling wird es – und damit erwacht die Natur wieder und bringt den Menschen die Farben, die Düfte und die Wärme nach der kalten, nassen Winterzeit zurück. Frühling ist auch das Sinnbild für die Hoffnung auf Neues, darauf, dass es anders oder besser wird.

Synodalrätin Annette Geisbühler
Von Annette Geissbühler

Das vergangene Jahr hat weltweit und auch den Menschen in der Schweiz viel Leid gebracht. Ich denke insbesondere an den Bergsturz im Lötschental, wo der ganze Schuttkegel im Tal noch lange sichtbar bleiben, und an die Wunde in den Herzen der betroffenen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, erinnern wird. Es gibt aber viele kleine Zeichen und Gesten der Hoffnung, auch wenn die Menschen weiter trauern werden. Sie haben begonnen, ihr Leben wieder zu gestalten, ein neues Zuhause aufzubauen. Gerade in solch schwierigen Zeiten kommt der Kirche eine wichtige Rolle zu, und das geht auch ohne Kirchengebäude, welches in Blatten ebenfalls verschüttet worden ist. Der Pfarrer wird zum «Störe Pfarrer» – er ist unterwegs, geht zu den Menschen, hört zu, spendet Trost und ist da für sie. Vielleicht ist er ihnen als Folge des gemeinsam erlittenen Verlusts sogar näher als vor dem Bergsturz.

Und was hat das jetzt mit dem Frühling zu tun? Der Schuttkegel nach dem Bergsturz besteht nicht nur aus Geröll, Eis und Schlamm – es hat auch noch gute Erde dabei, Humus, der für Neuansaaten genutzt werden kann.

So plant eine kleine Projektgruppe aus dem Tal die landwirtschaftliche Nutzbarmachung der fruchtbaren Erde auf dem Schuttkegel, will noch dieses Frühjahr damit beginnen, erste Probeaussaaten zu machen, neues Leben ins Erdreich zurückzubringen und an der Zukunft für ein paar wenige Bauernfamilien, die ihre Existenz im Tal nicht aufgeben möchten, zu arbeiten. Damit geht die Überzeugung einher, dass die Natur vieles wieder gut machen, wieder Frucht tragen und mit den Menschen zusammen für neues Leben sorgen kann.

Und ja, auch unsere Familie hat ihr fast vierhundertjähriges Haus in der Gemeinde Blatten verloren. Ich weiss, wie sich dieser Verlust anfühlt.

Kommentare

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  • 240513-Stau-Autobahn_MarcoVerch-CC

    Viel zu viele Menschen sind beharrlich unterwegs auf ihrem Weg. Sie bemühen sich, den einmal eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen, gemäss dem Motto «der Weg ist das Ziel». Doch betont dieses Motto vor allem, dass man sich überhaupt auf den Weg machen muss, um ein Ziel zu erreichen. Dabei geht manchmal vergessen, dass sich die Beharrlichkeit primär auf das Ziel richten sollte und weniger auf den Weg dorthin.

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  • 2025_Wunschbaum_Detail

    Diese Zeile von Hermann Hesse aus dem Gedicht «Stufen» gehört für mich zum Kürzesten und gleichzeitig Schönsten, was je dazu geschrieben wurde. Sie bringt poetisch auf den Punkt, was uns bei einem Neuanfang positiv bewegt – ein Zauber ist damit verbunden, denn wir wissen nicht, was die Zukunft bringen wird.