Keine Schwächung der Armutsbekämpfung
10.08.2026 - Synodalratspräsidentin Judith Pörksen-Roder und Synodalrat Ueli Burkhalter unterzeichnen offenen Brief gegen Kürzungen in der Internationalen Zusammenarbeit der Schweiz. Im Brief wird der Bundesrat aufgefordert, auf Kürzungen in der langfristigen Zusammenarbeit zu Gunsten kurzfristiger Nothilfe zu verzichten. Der Brief im Wortlaut.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Parmelin
Sehr geehrter Herr Bundesrat Cassis
Wir Unterzeichnenden, aktuelle und ehemalige Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmerinnen und Unternehmer, Bürgerinnen und Bürger sind alarmiert über den beabsichtigten Strategiewechsel in der internationalen Zusammenarbeit. Wir sind sehr besorgt über die geplanten Kürzungen der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit und die Umschichtung von Mitteln in die kurzfristige, humanitäre Hilfe. Zwar halten wir es für wichtig, die humanitäre Tradition der Schweiz zu stärken, dies darf aber nicht auf Kosten der bewährten und wirksamen Entwicklungszusammenarbeit geschehen.
Im Rahmen der Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2029-2032 beabsichtigen Sie, die bilaterale und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit abzubauen und den Fokus auf Nothilfe zu verlagern. Auch angesichts der grossen humanitären Not weltweit und der Verantwortung der Schweiz, in diesem Bereich ihren Beitrag zu leisten, ist diese Neuausrichtung der internationalen Zusammenarbeit kurzsichtig. Sie droht, den Fokus von den strukturellen Ursachen von Armut, Unsicherheit und Krisen wegzuführen, anstatt diese nachhaltig zu bekämpfen. Denn die bilaterale und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit ist langfristig ausgerichtet; sie kann Armut und Not bei der Wurzel angehen und Perspektiven vor Ort schaffen. Gleichzeitig schafft sie auch einen Mehrwert für die Schweiz: Langfristige Armutsbekämpfung und Aufbau von demokratischen Strukturen macht unsere Welt sicherer, schafft Perspektiven vor Ort und wirkt gegen Extremismus.
Wir fordern Sie deshalb auf,
- die humanitäre Hilfe zu stärken − aber nicht auf Kosten der bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit.
- die Themen der internationalen Zusammenarbeit auf die Bekämpfung der Ursachen von Armut und Hunger auf der Welt auszurichten.
- die internationale Zusammenarbeit als integralen Bestandteil einer umfassenden Sicherheitspolitik zu anerkennen und entsprechend zu finanzieren.
Alle diese Anliegen tragen zu einer lebenswerten und friedlicheren Welt bei, was auch im Interesse der Schweiz ist.
Mit freundlichen Grüssen
Aktuelle und ehemalige Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmerinnen und Unternehmer, Zivilgesellschaft