Kirchliche Bildungsarbeit als gemeinsamer Lern- und Lebensraum
Mit dem Beschluss der Synode ist ein Weg zu Ende gegangen – und zugleich hat sich ein neuer geöffnet. Drei Jahre lang hat das Projekt «Zukunft der KUW» die Frage beschäftigt, wie kirchliche Bildungsarbeit so gestaltet werden kann, dass sie Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien erreicht.
Das Ergebnis dieses Prozesses sind die neuen Richtlinien für die kirchliche Arbeit mit jungen Menschen (0 – 25) – einer neuen Kultur von Lernen, Zusammenarbeit und Verantwortung in unseren Kirchgemeinden. Begonnen hat alles mit 17 Dialoggemeinden, die sich bereit erklärt haben, neue Wege zu erproben und ihr jeweils eigenes Konzept kirchlicher Arbeit mit jungen Menschen zu erarbeiten. In interprofessionellen Teams und
begleitet von den Gesamtkirchlichen Diensten im Haus der Kirche. Sie kamen aus dem ganzen Kirchengebiet, aus Stadt und Land, aus grossen und kleinen Gemeinden. Sie teilten den Mut, ihre Praxis zu hinterfragen, Neues zu wagen und Altes neu lieb zu gewinnen. Diese Vielfalt war die Stärke des Projekts: Kirchliche Bildungsarbeit wird dort lebendig, wo sie das Leben der Menschen vor Ort aufgreift.
An der Basis erprobt
Die Dialoggemeinden feierten Lager und Gottesdienste, gestalteten Projekte, erprobten liturgische Formen und öffneten Türen ins Gemeindeleben. Projekte, in denen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft erfahren können. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für die neuen Richtlinien. Diese schreiben nicht mehr vor, wie KUW oder «Weitergabe des Glaubens» auszusehen hat, sondern sie eröffnen Wege, wie Kirchgemeinden ihre eigenen Konzepte entwickeln können – theologisch fundiert, pädagogisch reflektiert und auf ihre Gemeinderealität abgestimmt.
Freiheit und Vielfalt
Damit erhalten Kirchgemeinden einen klaren Rahmen und zugleich die Freiheit, aus diesem Prozess heraus ihre Wege selbst zu gestalten. Das ist ein fundamentaler Perspektivenwechsel: weg von inhaltlichen und organisatorischen Vorgaben, hin zu verantworteter Vielfalt. Ein zutiefst reformierter Ansatz. Konkret heisst das: Jede Kirchgemeinde erarbeitet bis 2030 ihr eigenes Konzept für die kirchliche Arbeit mit jungen Menschen (0 – 25). Dieses Konzept nimmt die gesamte Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien in den Blick. Sie beschreibt Wege zur Konfirmation und darüber hinaus, als zusammenhängenden Lernund Lebensraum. Die Konzepte entstehen in interprofessionellen Teams, in denen Pfarrpersonen, Katechet:innen, Sozialdiakon:innen, Freiwillige und Mitglieder des Kirchgemeinderats gemeinsam nachdenken. Sie werden begleitet durch ein Team der Gesamtkirchlichen Dienste und unterstützt durch ein digitales Planungstool, das die Erfahrungen der Dialoggemeinden bündelt.
Die neuen Richtlinien sind ein Werkzeug für Kirchgemeinden
Bildung und Beziehung
Ein ganzheitliches Bildungsverständnis steht im Vordergrund: Bildung geschieht auch und im Besonderen durch Beziehung, Beteiligung und gemeinsame Erfahrungen. Verbindlichkeit entsteht durch Begegnung und Wertschätzung, Qualität durch Teams, die ihre Verantwortung teilen, gemeinsam reflektieren und sich gegenseitig stärken. Die neuen Richtlinien verbinden also zwei Ebenen: Sie geben Sicherheit durch gemeinsame Grundideen, und sie eröffnen Freiheit, diese Ideen kontextgerecht umzusetzen. Sie knüpfen an das an, was in vielen Gemeinden längst gewachsen ist, und stärken die Arbeit mit jungen Menschen als Herzstück kirchlicher Präsenz vor Ort.
Kreativität und Kooperation
Für die Gemeinden eröffnen sich daraus grosse Chancen: Sie können ihre Bildungsarbeit jederzeit an neue Gegebenheiten anpassen, Verantwortung teilen und glauben, leben und lernen zu einem vielfältigen Ganzen werden lassen. Gleichzeitig werden sie begleitet durch Fachpersonen, durch Weiterbildungsangebote, durch den Austausch in Regionalgruppen. Bis 2030 soll jede Kirchgemeinde auf diesem Weg ein tragfähiges Konzept entwickelt haben. Danach werden die Gesamtkirchlichen Dienste weiterhin für Begleitung und Aktualisierung zur Verfügung stehen.
Das Projekt «Zukunft der KUW» hat gezeigt: Wenn Kirchgemeinden Gestaltungsspielraum bekommen und zugleich fachlich unterstützt werden, entstehen Kreativität, Stolz und Identifikation. Junge Menschen und Mitarbeitende erleben Kirche als lebendigen und gestaltbaren Lebensraum.
Mit dem Ja der Synode beginnt nun die Umsetzungsphase. Sie wird hoffentlich geprägt sein von Kooperation, Lernbereitschaft und Vertrauen. Die neuen Richtlinien sind kein Abschluss, sondern ein Werkzeug für Kirchgemeinden, die sich mit Freude und Mut immer wieder neu auf den Weg machen wollen.
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