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Die Schätze der Französischen Kirche Bern musikalisch entdecken

Ein neuer dreisprachiger und musikalischer Audioguide bietet sich als Begleiter für den Besuch der Französischen Kirche in Bern an. Er zeichnet die Geschichte des ältesten sakralen Gebäudes der Stadt nach und verschafft einen Einblick in dessen musikalische Tradition vom 14. Jahrhundert bis heute. Eine Einladung, diesen Ort einmal anders zu entdecken.

Von Nathalie Ogi

Der Audioguide soll unterschiedliche Publikumstypen zusammenbringen

In der Nähe des Kornhauses und der Unterstadt gelegen, zeichnet sich die französische Kirche durch ihre Architektur aus, die mittelalterliche Gotik mit reformierter Nüchternheit verbindet. Die Kirche wurde 1314 von Dominikanermönchen – Mitglieder des Predigerordens, die ihr deshalb den ersten Namen «Predigerkirche» gaben – erbaut und fertiggestellt. Heute ist die Kirche Anziehungs- und Treffpunkt sowohl für Kunstinteressierte als auch für die protestantischen Gemeindemitglieder.

«Es ist eine wunderschöne Kirche, aber sie ist nicht einfach zu verstehen», führt Pfarrer Olivier Schopfer aus, der das Projekt «Audioguide» kurz vor seiner Pensionierung lancierte. Beim Betreten des Gebäudes fällt der Blick zunächst auf ein Podium. Der Reichtum des Ortes erschliesst sich nicht sofort. Will man seine architektonischen Schätze entdecken, muss man sich umdrehen. Zu den Preziosen zählt der Lettner, eine steinerne Abschrankung, welche die Orgel stützt und mit prächtigen mittelalterlichen Fresken verziert ist. Die hochgelegene Wand trennte einst die Laien vom Klerus ab, heute ist sie eines der faszinierendsten Elemente des Gebäudes.

Ein Rundgang mit 12 Stationen

Der neue Audioguide bietet einen Rundgang mit zwölf Stationen, der ca. 30 Minuten in Anspruch nimmt. Er kombiniert historische Informationen mit Auszügen aus Musikstücken und bietet damit die Gelegenheit, den Ort auf zwei Arten zu entdecken. «Wenn die Wände sprechen könnten, würden sie zwei Geschichten parallel erzählen: jene der Worte, die hier gesprochen wurden, und jene der Musik, die von ihnen widerhallte», gibt sich Olivier Schopfer überzeugt.

Die ehemalige Dominikanerkirche, die in der Reformation zur protestantischen Kirche wurde, erlebte eine interessante Entwicklung: Anfänglich war sie von den gregorianischen Gesängen der Mönche erfüllt, dann folgten – nach der Reformation – Gottesdienste ohne Musik, und schliesslich Psalmen. Auch die Goll-Orgel und die neue Kuhn-Bühnenorgel zeugen von ihrer reichen musikalischen Geschichte.

Zugang via Smartphone oder Internet

Die Tatsache, dass die Kirche heute als Veranstaltungsort für Konzerte bekannt ist, bleibt manchem Kirchgänger verborgen. Auf der anderen Seite interessieren sich Konzertbesuchende nicht immer für die spirituelle Dimension der Kirche. «Der Audioguide zielt darauf ab, das unterschiedliche Publikum zusammenzubringen», betont Olivier Schopfer. Der Audioguide, der auf Französisch, Deutsch und Englisch zur Verfügung steht, hebt auch die Beziehung zwischen Musik und Architektur hervor. Auslöser für seine Lancierung war das Jubiläum zur 400-jährigen Präsenz der «Paroisse française» in dieser Kirche. Die Musikaufnahmen wurden im Jubiläumsjahr 2023 vor Ort gemacht. Die Führung ist einfach aufgebaut und problemlos zugänglich: informative Plakate, eine Website, die via Smartphone aufgerufen werden kann, Kopfhörer und sowie eine Mediathek, die vor Ort oder zu Hause konsultiert werden kann.

«Der Audioguide ist das Ergebnis von drei Jahren Arbeit. Der pädagogische Begleiter kann weiter entwickelt und bereichert werden, etwa durch weitere Klänge oder Lichtgestaltungen», erklärt Antonio García, Organist der Französischen Kirche in Bern. Der Audioguide bringt die Steine zum Sprechen und ermöglicht den Besucher:innen einen tiefen Einblick in diesen geschichtsträchtigen Ort.

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