Zukunftstag Sozialdiakonie - Beziehung
01.06.2026 - Wie können Beziehungen in der Diakonie künftig blühen, wachsen und gedeihen – auch dort, wo Künstliche Intelligenz, soziale Roboter und gesellschaftliche Veränderungen neue Fragen aufwerfen? Der erste Zukunftstag Diakonie lud dazu ein, diakonische Felder mutig weiterzudenken, Veränderungen nicht nur auszuhalten, sondern zu begrüssen, und gemeinsam Zukunft zu gestalten.
Beziehungen im Wandel – und die Diakonie ist herausgefordert
Beim ersten Zukunftstag Diakonie der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn am 6. Mai in Bern standen Beziehungen im Mittelpunkt – und die Frage, wie sie sich durch ChatGPT, Künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Veränderungen wandeln.
Eine Live-Schaltung nach Stuttgart zu Dr. Judith Schoch von der Evangelischen Heimstiftung zeigte, wie sogenannte soziale Roboter bereits heute in Pflegeheimen diakonischer Organisationen in Deutschland eingesetzt werden. Die menschenähnlichen Roboter können ihre Umgebung wahrnehmen, mit Bewohnenden sprechen, auf Berührungen reagieren und expressive Mimik zeigen. «Die Roboter werden entwickelt, um Menschen Beziehungen und Kontakt zu ermöglichen», sagte Schoch.
Künstliche Empathie
Die Roboter greifen auf umfangreiche Datenbanken zurück und können auch Gespräche über individuelle Interessen führen. Sie sollen Empathie vermitteln und auf Bedürfnisse eingehen. «Es ist natürlich keine echte Empathie», räumte Schoch ein.
Trotzdem setzt die Evangelische Heimstiftung die Roboter im Testbetrieb ein – auch mit Blick auf die demografische Alterung und den Fachkräftemangel. Die Bewohnenden erlebten dadurch Abwechslung, sagte Schoch. Zugleich betonte sie: «Wir verstehen soziale Robotik als Ergänzung und nicht als Ersatz für menschliche Kommunikation und Beziehung.»
Neue Herausforderungen für die Beziehungsprofis
«Sie sind Beziehungsprofis – und aktuelle Entwicklungen führen dazu, dass Sie an die Ränder Ihrer Komfortzone gelangen», sagte Diakoniedozent Dr. Simon Hofstetter zu den Teilnehmenden. Der Leiter Kirchenbeziehungen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) sprach über Beziehungen unter Veränderungsdruck.
Eine seiner Thesen: Künstliche Intelligenz beeinflusst bereits heute zwischenmenschliche Beziehungen – besonders im Bereich persönlicher Lebensbegleitung. Begleitung und Beratung verlagerten sich zunehmend in den virtuellen Raum. Sozialdiakoninnen und -diakone sowie Seelsorgende müssten deshalb damit rechnen, dass Menschen bereits durch Erfahrungen mit KI geprägt zu ihnen kommen.
Herausfordernd sei, dass KI-Systeme oft auf Zustimmung und Bestätigung ausgerichtet seien. Wer von menschlichen Beziehungen radikale Verfügbarkeit, dauernde Bestätigung und die Spiegelung eigener Interessen erwarte, werde zwangsläufig enttäuscht. Gleichzeitig sieht Hofstetter auch Chancen: KI-Systeme könnten überlastete Auffangstrukturen punktuell überbrücken – danach brauche es aber menschliche Begleitung.
Die Auseinandersetzung ist ein Muss
Im zweiten Teil des Zukunftstags wurden die Themen in verschiedenen Themen-Cafés vertieft. Diskutiert wurden soziale Roboter, schwierige Beziehungssituationen sowie die Beziehung zwischen Kirche und Gesellschaft.
Dabei zeigten sich unterschiedliche Haltungen: Einige konnten sich nicht vorstellen, mit einem Roboter zu sprechen, und äusserten ethische Bedenken. Andere betonten, es gehe nicht um ein einfaches «Roboter schlecht, Menschen gut» – sondern darum, genauer hinzuschauen, wo beide ihre Stärken haben.
In den Gesprächen wurde auch deutlich: Durch die Diakonie wird Kirche in unterschiedlichen Räumen sichtbar. In schwierigen Beziehungssituationen bleiben Nähe und Distanz, gegenseitiges Interesse, Dialog und eine nötige Prise Humor zentral.
Für Synodalrätin Ursula Marti ist klar: «In der Kirche kommt eine enorme Vielfalt an Beziehungsmöglichkeiten zusammen.» Wenn Künstliche Intelligenz Beziehungen verändert, muss sich auch die Diakonie damit auseinandersetzen und sich weiterentwickeln. Der Zukunftstag setzte dafür einen ersten Impuls und lieferte zugleich Material für die parallel laufende Konzeptarbeit.
Die nächsten Zukunftstage Diakonie über Demenz und Gerechtigkeit finden am 16. Januar und am 26. Oktober 2027 statt.