Vernetzungsanlass Bezirkssynode

Wie kann Kirche ihren Weg im Wandel aktiv gestalten?

Der Vernetzungsanlass der Bezirkssynode Solothurn in Grenchen brachte Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen zusammen und setzte wichtige Impulse zum Weg der Kirche in die Zukunft.

Von Corine von Wartburg

Rund 70 Teilnehmende Teilnehmende aus den 8 Kirchgemeinden der Bezirkssynode trafen sich in Grenchen, um diese Frage gemeinsam zu diskutieren. Vertreten waren Behördenmitglieder sowie Fachpersonen aus Sozialdiakonie, Katechetik, Pfarramt und Verwaltung. Der Anlass bot Raum für Vernetzung, Austausch und neue Impulse. Der Vormittag war geprägt von zwei unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft.

Was bleibt, was wird: Religiöse Bildung im Wandel

Zum Auftakt sprach Carsten Heyden über die zukünftige Ausrichtung religiöser Bildung. Er stellte die neuen Richtlinien für die kirchliche Arbeit mit jungen Menschen (0–25) vor. Sie wurden an der Wintersynode 2025 genehmigt und geben den Kirchgemeinden im Sinne eines gemeindepädagogischen Konzepts mehr Gestaltungsfreiheit. Religiöse Bildung beschrieb er anhand eines Bildes von Wassily Kandinsky: Es gibt kein eigentliches Zentrum, sondern das Zusammenspiel verschiedener Elemente steht im Fokus. So gehe es auch in der religiösen Bildung darum, Menschen ins Gespräch zu bringen, Gemeinschaft zu ermöglichen und gemeinsam das Evangelium zu entdecken.

Im Mittelpunkt steht das Empowerment. Studien zeigen, dass kirchliche Bildungsarbeit dort gelingt, wo Menschen positive Erfahrungen machen, Gemeinschaft erleben und sich ernst genommen fühlen. Entscheidend ist, dass Menschen sich als wirksam erleben, ausprobieren können und Verantwortung übernehmen dürfen.

Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche von Anfang an mitgestalten.

Nicht die Frage «Was bieten wir an?» steht im Vordergrund, sondern «Mit welcher Haltung gestalten wir Bildung?». Kirchgemeinden sollen als Lern- und Lebensräume verstanden werden, in denen Begegnung, Beteiligung und gemeinsame Erfahrungen zentral sind.

Die neuen Richtlinien setzen genau hier an: Sie geben einen Rahmen, der Sicherheit bietet und gleichzeitig Freiraum lässt, damit Kirchgemeinden eigene Konzepte entwickeln können. 

Heydens Fazit: Kirchliche Bildungsarbeit ist keine Dienstleistung, sondern eine existenzielle Form, das Evangelium gemeinsam zu leben und zu kommunizieren.

Kirche schreibt man mit KI

Mit einem weiteren Perspektivenwechsel führte Prof. Dr. Dipl.-Ing Axel Siegemund, Ingenieur und evangelischer Theologe, sein Thema ein. Er machte deutlich, dass künstliche Intelligenz für die Kirche eine grundlegende Orientierungsfrage darstellt: Dient sie der Beziehung zu Gott und stärkt sie die menschliche Freiheit oder führt sie zu neuer Abhängigkeit? Gleichzeitig zeigte er auf, wie stark KI bereits heute den Alltag prägt und zunehmend auch in kirchliche Praxis hineinwirkt, etwa bei Predigten oder Gebeten.

Die zentrale Frage ist: Macht uns künstliche Intelligenz freier oder abhängiger?

Siegemund warnte davor, KI zur bestimmenden Instanz werden zu lassen. Entscheidend sei, zwischen Daten und eigenem Handeln zu unterscheiden und die eigene Freiheit bewusst zu bewahren. Zugleich beschrieb er KI nicht nur als technische, sondern als kulturelle Kraft, die von Menschen geprägt wird und auf sie zurückwirkt. Daraus ergibt sich für die Kirche die Aufgabe, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und ethisch zu orientieren.

Sein Fazit: KI ist ein von Menschen geschaffenes Werkzeug. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, verlangt aber einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang.

Diskussion und Workshops

Nach den beiden Keynotes wurden in Murmelgruppen zentrale Fragen diskutiert und erste Einschätzungen zusammengetragen. Die Gespräche waren engagiert und machten die Vielfalt der Perspektiven sichtbar.

Am Nachmittag wurden die Themen in vier Workshops vertieft: «KI und die Einheit der Kirche», «Kirchliche Arbeit mit jungen Menschen als Chance für die Gemeinden», «Verwaltung und Ressourcen» sowie «Bezirkssynode 2036».

Den Abschluss bildete ein Plenum, in dem die Stimmen aus den Workshops zusammengeführt wurden. Im Zentrum standen dabei konkrete Fragen: Was nehme ich aus dem Tag mit, woran möchte ich weiterarbeiten und welche Themen sollen künftig vertieft werden.

«Der Austausch hat deutlich gemacht, wie wichtig solche Räume für gemeinsames Weiterdenken sind. Wir wollen den Wandel der Kirche aktiv mitgestalten.” brachte Barbara Fankhauser, Präsidentin der Bezirkssynode Solothurn, die Tagung zum Schluss auf den Punkt.

 

Was ist die Bezirkssynode Solothurn?

Die Bezirkssynode Solothurn ist eine eigene Rechtspersönlichkeit innerhalb der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn für die Bezirke Bucheggberg, Solothurn, Lebern und Wasseramt. Sie nimmt regionale kirchliche Aufgaben wahr, wählt die Mitglieder der Kirchensynode für ihren Wahlkreis und fördert die Zusammenarbeit unter den Kirchgemeinden.

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    Vernetzung und Impulse aus dem Kirchenbezirk Solothurn

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