ENSEMBLE Nr. / N° 58 - Mai / Mai 2021

16 Doss i er —– ENSEMBLE 2021 /58 K I R C H E N S O N N T A G 2 0 2 2 Sich in die Gemeinschaft einbringen Annemarie Bieri * – Wir alle sind gefragt, wenn unsere Welt sich wandelt. Unser Tun oder Las­ sen bestimmen mit, welche Richtungen die Veränderungen einschlagen. Wir können mit unserem Handeln einen Unterschied ausma­ chen – auch wenn uns dies meist nicht so be­ wusst ist. Ein Mensch allein oder wenige Men­ schen miteinander können mit ihrem beherzten Engagement eine Familie, eine Organisation, das kirchliche Leben, unsere Kultur oder das Zusammenleben in der Gesellschaft ein Stück weit verändern. In Anlehnung an den vierten Leitsatz der Vision, «Die Einzelnen stärken – Gemeinschaft suchen», fragen wir am Kirchensonntag 2022, wie wir uns mit unseren Fähigkeiten, Talenten und Möglichkeiten sinnstiftend und zum ge­ meinsamen Wohl in die Gesellschaft einbrin­ gen können. Grosszügig stellen Menschen in den Kirch­ gemeinden ihre Schaffenskraft und Zeit zu­ gunsten der Allgemeinheit zur Verfügung. Sie «wuchern mit ihren Talenten» (Mt. 25,14 ff.) und tragen damit wesentlich zum kirchlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben bei. Der Kirchensonntag möchte solch motivierende Beispiele aufnehmen und weiterdenken. Wir fragen, wie Einzelne ihre individuellen Fähig­ keiten und Interessen einbringen können, so dass sie Sinn stiften, verantwortungsvolles Han­ deln stärken und das Zusammenleben in der Gemeinschaft bereichern. Auf dass der Kirchen­ sonntag uns alle ermutige, unseren eigenen Möglichkeiten und Talenten als Teil des ge­ meinschaftlichen Zusammenlebens nachzu­ spüren. * Fachbeauftragte Erwachsenenbildung des Bereichs Gemeindedienste und Bildung der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Fachtagung zum Kirchensonntag 2022 Samstag, 11. September 2021, Campus Muristalden, Bern Kontakt: Annemarie Bieri, Tel. 031 340 25 06, annemarie.bieri@refbejuso.ch Weitere Informationen: www.refbejuso.ch/kirchensonntag Den Gottesdienst gestaltet Bénédicte Loup oft mit einem anderen Gemeindemitglied. Sie schätzt diese Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin. Zu­ nächst lesen sie die Texte, Liturgien und Anre­ gungen, die Refbejuso für den Kirchensonntag zur Verfügung stellt, und nehmen an der Vorbe­ reitungstagung teil. Danach halten sie einige Brainstorming-Sitzungen ab, tauschen sich über die Texte aus und lassen sich von ihnen inspi­ rieren. «Dieses Jahr haben wir eine zweistimmige Bot­ schaft rund um das Gebot ‹Du sollst deinen Nächs­ ten lieben wie dich selbst› geschrieben. Wir be­ schlossen, ein Corona-kompatibles Abendmahl zu feiern, nach dem Vorbild der Liturgie in Kranken­ häusern. Meine Kollegin buk zudem einen grossen Laib Brot mit kleinen Kugeln darin, welche die Leute mit nach Hause nehmen konnten. Wir fan­ den einen biblischen Text, der auf das Teilen des Brotes und den Traum Bezug nimmt. Im Hebräi­ schen sind die beiden Wörter aus denselben Buch­ staben zusammengesetzt. Brot zu teilen, ist also auch eine Art, einen Traum zu teilen. Es war sehr persönlich, denn wir beide lieben es, Brot zu ba­ cken», sagt Bénédicte Loup. Die Gemeindemitglie­ der der Französischen Kirche waren vom Gottes­ dienst sehr angetan. Die Bindung zur Kirche stärken Die Gestaltung eines Gottesdienstes erfordert von den Predigerinnen und Predigern zwar eine ge­ wisse Vorbereitung. Gleichzeitig erhalten sie aber auch viel Spielraum. «Das Ziel ist nicht, den Pfar­ rer zu imitieren, sondern eine andere Perspektive einzubringen.» Bei Schwierigkeiten oder Fragen können sie jederzeit um Hilfe bitten. Pfarrer Oli­ vier Schopfer hilft ihnen gerne weiter. Ihr Engagement als Laienpredigerin ermög­ licht es Bénédicte Loup, sich vertieft mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Und es hat ihr auch neue Perspektiven eröffnet. «Es ist sehr berei­ chernd, dass wir die Möglichkeit haben, aktiv mit­ zuwirken. Dies ist ein grosser Vertrauensbeweis und stärkt unsere Bindung zur Kirche», erklärt Bénédicte Loup, die in ihrer Gemeinde auch ehren­ amtlich als Katechetin arbeitet. «Wir alle fühlen uns als Teil der Gemeinschaft. Dies ermöglicht uns, die Vielfalt in unserer Gemeinschaft zu entdecken und zu teilen.» «Das Ziel ist nicht, den Pfarrer zu imitieren, sondern eine andere Pers- pektive einzubringen.»

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