ENSEMBLE Nr. / N° 51 - September / Septembre 2020

24 Dossier —– ENSEMBLE 2020/51 Vier Jahre nach ihrer Einreichung kommt die Konzernverantwortungsinitiative am 29. November zur Abstimmung. Die Initiative will weltweit tätige Konzerne mit Sitz in der Schweiz verpflichten, internationale Umweltstandards zu respektieren und die Menschenrechte auch im Ausland einzu- halten. Die Unterstützung für die Initiative ist auch in kirchlichen Kreisen gross. Von Olivier Schmid Die Schweiz ist orange: Die Fahnen der Konzern­ verantwortungsinitiative springen dem aufmerk­ samen Beobachter auf Spaziergängen durch Stadt und Land auf Schritt und Tritt ins Auge. Die Men­ schen hängen die Fahnen an ihre Balkone, Fens­ ter und Gartenzäune und bringen so ihre Unter­ stützung für die Initiative zum Ausdruck. Auch viele Kirchen bekennen Farbe: Sie befestigen die Fahnen an Kirchgemeindehäuser, erinnern in Gottesdiensten an den biblischen Auftrag, Leben zu ermöglichen und Gerechtigkeit zu fördern, informieren an Standaktionen die Bevölkerung über das wichtige Anliegen der Initiative und organisieren Podiumsdiskussionen oder Film­ abende. «Kirche für Konzernverantwortung» macht das grosse kirchliche Engagement sichtbar. Auf der gleichnamigen Onlineplattform sind kirchliche Organisationen über alle Konfessionsgrenzen hin­ weg vertreten: Nebst der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) und der Schweizer Bischofs­ konferenz tun die Schweizerische Evangelische Allianz oder der Verband Freikirchen Schweiz ihre Unterstützung kund. Auch die Reformierten Kir­ chen Bern-Jura-Solothurn sowie 16 weitere Landes­ kirchen und Bistumsregionen stehen hinter dem Anliegen, ebenso 400 Kirchgemeinden und Pfar­ reien sowie Hunderte Personen aus dem kirchli­ chen Umfeld. «Die Kirche ist eine wichtige Stimme in der Gesellschaft», sagt Katharina Boerlin, die Koordinatorin von «Kirche für Konzernverantwor­ tung». «Mit ihrer Sensibilisierungs- und Informa­ tionsarbeit kann sie aufzeigen, dass die Initiative auf zwei zentralen Anliegen der biblischen Bot­ schaft und des christlichen Glaubens gründet: Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung.» Leben ist Politik Eine Kirchgemeinde, die sich aktiv für die Initia­ tive engagiert, ist die Kirchgemeinde Burgdorf. «Wir haben im Kirchgemeinderat entschieden, uns für die Initiative starkzumachen. Ich bin zwar unsicher, ob die Initiative der richtige Weg ist, um die Konzerne zu einem verantwortungsvolleren Handeln zu bewegen. Aber wir wollten als Kirche ein Zeichen setzen. Es geht um den moralischen Standpunkt», sagt Pfarrer Manuel Dubach. Eine Person habe sich jedoch an der Fahne an einem Gebäude der Kirchgemeinde gestört und sei aus der Kirche ausgetreten. «Mir persönlich wäre es denn auch lieber gewesen, wenn der Be­ schluss von der Kirchgemeindeversammlung le­ gitimiert worden wäre. Denn in Burgdorf haben wir viele kleinere und mittlere Betriebe, die sich vor den möglichen wirtschaftlichen Folgen der Initiative fürchten.» Deshalb sei dem Kirchgemein­ derat wichtig, mit den Leuten in den Dialog zu treten und auch Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen. So habe die Kirchgemeinde bereits vor zweieinhalb Jahren eine Podiumsdiskussion durchgeführt, zu der unter anderem auch eine Vertreterin von Glencore und die Nationalrätin Christa Markwalder eingeladen worden seien. «Die Kirche ist Ansprechpartnerin für alle. Das kann sich beissen. Auf der einen Seite möchten wir uns für eine gerechtere Welt einsetzen. Auf der anderen Seite sind wir aber auch für diejeni­ gen da, die politisch anders denken. Es ist eine K I R C H E F Ü R K O N Z E R N V E R A N T W O R T U N G Im Namen der Gerechtigkeit Kirche für Konzernverantwortung Auf www.kirchefuerkonzernverantwortung.ch finden Kirchgemeinden zahlreiche Möglichkei­ ten, um die Initiative zu unterstützen: − Tragen Sie Ihre Kirchgemeinde als Unter­ stützerin ein. − Machen Sie die Initiative sichtbar und bestel­ len Sie Fahnen oder Banner für das Kirch­ gemeindehaus oder den Kirchturm. − Lassen Sie sich zur Gestaltung eines Gottes­ dienstes von den Predigtimpulsen inspi­ rieren. − Informieren Sie die Gemeindemitglieder an Podiumsdiskussionen oder Standaktionen über das Anliegen der Initiative. − Schliessen Sie sich einem Lokalkomitee in Ihrer Gemeinde oder Ihrem Quartier an: www.konzern-initiative.ch/lokalkomitees Haben Sie Fragen? Die Fachstelle Ökumene, Mission und Entwicklung (OeME) der Re­ formierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hilft Ihnen gerne weiter: susanne.schneeberger@refbejuso.ch

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