ENSEMBLE Nr. / N° 68 - Dezember / Décembre 2022

23 ENSEMBLE 2022 /68 —– Fokus mehr möglich. Die Menschen verlieren ihren Halt und damit die Fähigkeit, auch unter schwierigsten ökonomischen Umständen zu überleben. Denn in diesen Dörfern gibt es gegenseitige Unterstützung und soziale Anteilnahme. Für viele bedeutet diese Veränderung in erster Linie: Verlust der eigenen Identität, Entwurzelung und Hoffnungslosigkeit. Sie können diese Menschen nicht einfach in der Stadt vor einen Computer setzen. Es sind Fischer oder Kleinbauern, die mit ihrem Boden oder dem Meer verbunden leben und die bisher nicht gezwungen waren, «Geld zu machen», sondern von dem lebten, was ihre Arbeit hergab. Was sollen sie in einer Stadt? Hinzu kommt, dass unsere Inseln dicht besiedelt sind, da gibt es nicht einfach Platz, wohin die Menschen umgesiedelt werden können. Das führt zu Spannungen in der Bevölkerung. Ferner kann der Staat nicht einfach so neue Infrastruktur, also Häuser, Städte usw., aus dem Boden stampfen, das braucht finanzielle Mittel. Was braucht es noch? Während ihr immer noch über Klimawandel diskutiert, brauchen wir jetzt Entscheidungen zur Unterstützung. Die Schäden haben nicht wir verursacht, aber wir leiden unter den Folgen. Deshalb rufen wir nach konkreter finanzieller Kompensation für nötige neue Infrastruktur, für soziale Programme usw. und dass die internationale Gemeinschaft diese Gelder schnell zur Verfügung stellt. Und wir rufen euch auf, in euren Kirchen aktiv daran zu arbeiten, dass der CO2-Ausstoss minimiert wird und dass ihr in den industrialisierten, reichen Ländern weniger Ressourcen verbraucht, damit die Schäden nicht ins Unermessliche wachsen und wir unseren Lebensraum verlieren. jedoch blieben aus, wohl um den Gesprächsfaden innerhalb des ÖRK nicht ganz zu durchtrennen. Welche Gespräche hinter den Kulissen stattgefunden haben, konnte nicht öffentlich gemacht werden. Klimakrise Die Klimakrise war das zweite zentrale Thema. Jüngere Delegierte wiesen auf die Dringlichkeit des Klimanotstands hin und forderten von den Kirchen aktives und schnelles Handeln. Auch die Berichte von Christinnen und Christen von weiter weg, z. B. aus der Pazifikregion, zeigten die Notwendigkeit, Veränderung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene voranzutreiben. ÖRK-Aufruf Der verabschiedete Aufruf «Der lebendige Planet: Streben nach einer gerechten und zukunftsfähigen weltweiten Gemeinschaft» zeigt, dass die Kirchen der industrialisierten Länder dringend Einfluss auf ihre Regierungen nehmen müssen, damit Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses umgesetzt werden. Breite Themenpalette Weitere Themen wurden kurz andiskutiert und Stellungnahmen im Konsensverfahren verabschiedet: zu Israel-Palästina, zur Bedeutung des christlichen Glaubens als Zeugnis des Friedens und zur Bekämpfung von Rassismus oder die Frage von Einheit. Ökumene in Begegnung Die Diversität der Christen und Christinnen, die einander als «Nächste» begegnen, die ihre Lebensrealität, ihre Erfahrungen, ihren Schmerz und ihren Glauben miteinander teilen, bilden die Basis der ökumenischen Bewegung. Diese Diversität ist Schatz und Herausforderung zugleich. An der Vollversammlung wurde der Ruf nach tiefem Mitgefühl und einem daraus wachsenden Handeln laut. Ein Handeln, das Ungerechtigkeiten benennt, Gräben überwindet und den Kirchen hilft, Teil einer transformativen Bewegung zu sein und zu werden. Dieser Auftrag fordert die Kirche auch nach Abschluss der Vollversammlung weiter heraus. Susanne Schneeberger Geisler Fachmitarbeiterin OeME-Migration Unterlagen: https://www.oikoumene.org/ de/about-the-wcc/organizational-structure/ assembly#documents Hinweise, Grundlagen und Bilder: https://agck.ch/karlsruhe/ Weltweite Kirche als Kraft des Wandels?! Die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) fand vom 31. August bis 9. September in Karlsruhe statt. Es trafen sich über 4000 Teilnehmende und 800 Delegierte aus über 350 Mitgliedkirchen. Die Schweizer Kirchen waren mit vier Delegierten und über 250 Besuchenden aus allen Landesteilen breit vertreten. Krieg in der Ukraine Der Ukrainekrieg bewegte die Anwesenden sehr. In der Abschlusserklärung bezeichnete die Vollversammlung den russischen Angriffskrieg als «illegal und nicht zu rechtfertigen» und rief zum sofortigen Waffenstillstand auf. Zusätzlich wurde «jeder Missbrauch von religiöser Sprache und Autorität zur Rechtfertigung bewaffneter Aggressionen» verurteilt. Es wurden also deutliche Worte in Richtung der russisch-orthodoxen Kirche ausgesprochen. Konkrete Schritte

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