Die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, SEK, hat am 14. Juni 2010 Pfarrer Dr. theol. Gottfried Locher zum Ratspräsidenten für die Amtszeit 2011-2014 gewählt. Locher tritt die Nachfolge von Pfarrer Thomas Wipf an, der Ende 2010 nach zwölf Jahren altershalber zurücktritt.
Intensive Diskussionen begleiteten das Wahlgeschaft. Das Resultat stand nach dem 2. Wahlgang fest. Es entfielen 38 Stimmen auf Locher und 31 auf David Weiss. Bereits nach dem 1. Wahlgang zog Didier Halter seine Kandidatur zurück.
Der SEK vertritt 26 evangelische Kirchen mit rund 2,4 Millionen Protestanten in der Schweiz. Präsident und Rat SEK sind Gesprächspartner der Bundesbehörden sowie nationaler säkularer und religiöser Organisationen. Auf internationaler Ebene vertreten sie die SEK-Mitgliedkirchen insbesondere im Ökumenischen Rat der Kirchen ÖRK, im Reformierten Weltbund RWB, in der Konferenz Europäischer Kirchen KEK und in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE.
Die Abgeordnetenversammlung AV ist das Parlament (Legislative) des SEK. Sie tritt zwei Mal pro Jahr zusammen, im Juni als Gast einer Mitgliedkirche, im November in Bern. Die Mitgliedkirchen sind mit 70 Abgeordneten vertreten, die Diakonie- und die Frauenkonferenz stellen je zwei Delegierte mit Rede- und Antragsrecht
«Refbejuso ist als Vermittlerkirche mit Brückenbauerfunktion zwischen der Deutschschweiz und der Romandie zur Solidarität verpflichtet», erläuterte Synodalratspräsident Andreas Zeller schon anlässlich der Bekanntgabe der Kandidatur Lochers den Anspruch auf das Ratspräsidium. Es gehe jetzt um die Stärkung des Profils für die reformierte Schweiz und nicht um Berner Partikularinteressen.
Für Gottfried Locher, den promovierten Theologen mit MBA-Abschluss, steht die Stärkung der reformierten Kirchen insgesamt im Vordergrund. «Es geht in guter reformierter Tradition darum, dass wir eine gemeinsame Marke "reformierte Kirche" entwickeln, die von den Kirchgemeinden getragen und gemeinsam zum Nutzen aller Landeskirchen verbreitet werden kann.» Locher spricht einem profilierten Protestantismus das Wort, der auch im gesellschaftlichen Kontext wirken soll. Die Verfassungsrevision des Kirchenbundes soll mithelfen, dass teilweise unterschiedliche Bedürfnisse von grossen und kleinen Landeskirchen im SEK integriert werden können.
«Kirche beginnt dort, wo das Gemeindeleben stattfindet». Damit bekräftigte Gottfried Locher die basisdemokratischen Strukturen der Schweizer Reformierten, die aber gleichzeitig eine Stärkung der theologischen Aussagekraft ermöglichen soll.
Vizepräsidentin Pia Grossholz und Synodalrat Lucien Boder äusserten sich bei der Nomination zur Kandidatur Locher. Diese Statements stehen bei den Downloads zur Verfügung.
Downloads
Statement Andreas Zeller
Statement Lucien Boder
Statement Pia Grossholz
Statement Gottfried Locher
Lebenslauf Gottfried Locher