GrundlagenWort auf den Weg - Covid-19-Zeit

Wort auf den Weg


«Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.» Psalm 73,25-26

Wohin fahren Sie in die Ferien? Selten hat diese Frage so verlegen gemacht wie dieses Jahr. An unserer Tischrunde hat nur einer eine eindeutige Antwort. Bereits übermorgen wird er mit seiner Familie verreisen. Nicht wie früher geplant übers Meer, aber doch bis ans Meer. Wir anderen reden von Uhu-Ferien, dass in der Schweiz doch auch schön sei und Tagesausflüge ebenso ihren Reiz hätten. Was in vergangenen Jahren als eine Quelle erneuernder Kraft galt, nämlich ordentliche Ferien im fernen Ausland, an Destinationen mit wohlklingenden Namen, die nur schon beim Aussprechen wie ein Jungbrunnen auf erschöpfte Arbeitsseelen wirkten, all das ist mit Corona in ferne Weiten entrückt. Verblasste Hoffnung früherer Zeiten.

Der betende Mensch im Wochenpsalm wirkt auch wie einer aus einer verblassten Welt. Er behauptet tatsächlich, dass ihn kein Fernweh packe und er kein noch so reizvolles Stückchen Erde brauche, um wieder zu Kräften zu kommen, Erholung zu finden und sein Leben in Balance zu bringen, wenn, ja, wenn er nur Gott habe. Als ob man Gott habhaft werden könnte. Aber vielleicht will er auch gar nicht sagen, dass er Gott habe, sondern dass Gott ihn habe. Nicht dass er Gott im Griff habe, aber von Gott gehalten werde. Gehalten in all seinem Suchen und Hoffen. Getragen von Gott in den unbeantworteten Fragen, getragen in den schier unlösbaren Problemen seines Alltags, getragen im Bewusstwerden aller Unzulänglichkeit und persönlichem Versagen. All das was wir eben so gerne mit auf die ferne Ferieninsel schleppen mit der Hoffnung, es dort am Sandstrand vergessen machen oder mindestens in den Tiefen der Meeresfluten versenken und zurücklassen zu können.

Irgendwie höre ich dem aktuellen Wochenpsalm gerne zu und es berührt mich sonderbar, wie er gegenüber physischer und seelischer Erschöpfung das Vertrauen zu Gott höher stellt und höher bewertet als alle Ferienpläne.

«Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.»

 
Iwan Schulthess

 

 


 

 
Design & Technology by YOUHEY Communication AG, Burgdorf, Switzerland.