Die Sakramente: Taufe und Abendmahl Der Vollzug der Taufe
Zu jeder Taufe gehören das Wasser und die Anrufung Gottes. In allen Kirchen wird auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bei der Kindertaufe ist es hierzulande üblich, die Stirne des Täuflings mit Wasser zu befeuchten (Aspersionstaufe). In anderen Kirchen wird der Täufling untergetaucht (Immersionstaufe).
Die Bedeutung der Taufe
Die Taufe ist das von Gott geschenkte Zeichen der Aufnahme in den Bund, den er in Jesus Christus mit den Menschen geschlossen hat. Sie ist ein tiefes, geheimnisvolles Geschehen. Das Wasser, die Namensnennung, die Handauflegung, das Taufkleid, das Licht der Taufkerze, das Kreuzzeichen – sie haben viele symbolische Bedeutungen. Durch ihre Symbolsprache spricht die Taufe den Menschen ganzheitlich und sinnlich an; in ihr verdichtet sich das Evangelium, die Begegnung mit Gott. Der Wunsch zur Segnung entspringt dem Verlangen nach Gottes Begleitung, seiner Fürsorge und seinem Schutz auf dem Lebensweg.
Broschüre über die Taufe
Zugehörigkeit zur Kirche
Durch die Taufe werden die Menschen in die christliche Kirche aufgenommen und gehören zur grossen, weltweiten Gemeinschaft der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu. Deshalb wird die Taufe nicht im privaten Familienkreis, sondern im Gottesdienst der Kirche vollzogen. Die versammelte Gemeinde gehört dazu.
Die Einmaligkeit der Taufe
Ein Christ oder eine Christin wird nur einmal getauft. Die Taufe wird nicht wiederholt, auch dann nicht, wenn eine in der einen Kirche getaufte Person sich später einer anderen Konfession anschliessen möchte. Im Jahr 1973 nämlich haben die Vertreter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (reformierte Kirchen), der römisch-katholischen Schweizer Bischofskonferenz und der christkatholischen Kirche der Schweiz eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe unterzeichnet. Eine Wiedertaufe würde bedeuten, dass die früher einmal vollzogene Taufe nicht anerkannt wird. Zur Tauferinnerung dienen der Taufschein, die Taufkerze und eigens von der Kirche angebotene Tauferinnerungsfeiern.
Kindertaufe und Erwachsenentaufe
In unseren Landeskirchen ist die Kindertaufe üblich. Sie führt später zur kirchlichen Unterweisung und wird mit der Konfirmation bestätigt. Es können aber jederzeit auch Erwachsene getauft werden, wenn sie dies wünschen. Sie erhalten dazu einen vorausgehenden Taufunterricht.
Eltern, Gotte und Götti
Eltern und Taufzeugen nehmen an der Taufe ihres Kindes teil. Sie verpflichten sich, das Ihre zu tun, um das Kind zum christlichen Glauben zu führen. Mindestens ein Elternteil soll der reformierten Kirche angehören.
Gotte und Götti sind die Taufzeugen. Sie unterstützen die Eltern und setzen sich für das Kind ein, besonders dann, wenn die Eltern dazu nicht mehr in der Lage sein sollten.
Die Taufzeugen müssen mindestens sechzehn Jahre alt sein. Wenigstens einer oder eine von ihnen ist reformiert und konfirmiert.
Download Taufe als Lebensperspektive. Empirisch-theologische Erkundungen eines Schlüsselrituals, Autor Christoph Müller
Segnung und Darbringung
Eltern, die ihrem Kind die Entscheidung über die Zugehörigkeit zu einer Kirche selbst überlassen wollen, können ihr Kind auch segnen lassen. Der Darbringung zum Empfang des Segens kommt aber nicht die Bedeutung der Taufe zu. Sie lässt vielmehr die Möglichkeit offen, dass sich jemand später noch taufen lassen kann. Ritus und Wort der Kindersegnung sind schlicht und unterscheiden sich von der Taufe. Segnungen sind wiederholbar und werden nicht in das Kirchenregister eingetragen.
Das Abendmahl
Die Bezeichnung Abendmahl erinnert an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern und hat sich in den protestantischen Kirchen durchgesetzt. Die Ausdrücke Herrenmahl oder Mahl des Herrn heben besonders hervor, dass Jesus Christus der Gastgeber ist; sie haben sich im ökumenischen Gespräch etabliert und sind vor allem in älteren ökumenischen Dokumenten zu finden. Die Bezeichnung Eucharistie (Dank sagen), die sich in der römisch-katholischen und in der christkatholischen Tradition eingebürgert hat, verweist auf die Haltung der Gemeinde, die für die Zuwendung Gottes dankt. Französisch spricht man vom Heiligen Mahl, de la Sainte Cène.
Im 16. Jahrhundert spaltete ein unversöhnlicher Streit über die Bedeutung des Abendmahls die Christenheit, namentlich über die Frage, in welcher Weise Christus denn im Abendmahl gegenwärtig sei. Der Streit spaltete die Kirchen der Reformation bis 1973. Seiher besteht Abendmahlsgemeinschaft zwischen den reformierten und den lutherischen Kirchen in der Leuenberger Konkordie, nicht aber Eucharistiegemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche.
Die Bedeutung des Abendmahls
Die Formel, auf die sich die Kirchen in der Leuenberger Konkordie geeinigt haben lautet:
Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheissenes Wort mit Brot und Wein. Er gewährt uns dadurch Vergebung der Sünden und befreit uns zu einem neuen Leben aus Glauben. Er lässt uns neu erfahren, dass wir Glieder an seinem Leib sind. Er stärkt uns zum Dienst an den Menschen.
Über die Einigungsformulierung der Leuenberger Konkordie hinaus eignet dem Abendmahl eine grosse Bedeutungsvielfalt. Es seien hier auszugsweise genannt: - Das Abendmahl als Feier zur Vergegenwärtigung und Verkündigung des Todes von Jesus Christus und seiner Auferstehung mit den Zeichen Brot und Wein.
- Das Mahl des gegenwärtigen Herrn mit seiner Gemeinde und der Gemeinschaft der Schwestern und Brüder untereinander.
- Das Mahl zur Vergebung der Sünden, der Versöhnung, der Gemeinschaft mit Gott und unter uns Menschen.
- Das Abendmahl als Friedensmahl.
- Das Abendmahl als Stärkung zum Dienst aneinander und an der Welt.
- Das Abendmahl als Bitte um den Heiligen Geist, der uns tröstet, erneuert und stärkt.
- Das Abendmahl als Lob und Danksagung an Gott für sein Heilshandeln in Jesus Christus, für die Erschaffung und Bewahrung der Schöpfung und aller Kreatur.
- Das Abendmahl als Berufung zur Solidarität mit denen, die nach Brot, Gerechtigkeit und Frieden hungern.
Die Elemente der Feier
Für die Leitung der Abendmahlsfeier ist die Pfarrerin oder der Pfarrer zuständig. Sie sind dazu angehalten, die unabdingbaren Elemente der Abendmahlsfeier einzuhalten. Es sind dies: - Die Danksagung und der Lobpreis
- Die Vergegenwärtigung von Leben und Tod Christi sowie die Einsetzungsworte
- Die Bitte um den Heiligen Geist
- Das Brechen des Brotes und Trinken des Weines
- Die Austeilung an die Gemeinde.
Die Einladung zum Abendmahl
Zur Teilnahme am Abendmahl sind in den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn alle eingeladen, welche die Gemeinschaft mit Jesus Christus suchen.
Kinder, die am Abendmahl teilnehmen, sind von ihren Eltern, in der Sonntagschule oder im kirchlichen Unterricht in geeigneter Weise darauf vorzubereiten.
Mit Kranken, Behinderten und Betagten, die an der Abendmahlsfeier der Gemeinde nicht teilnehmen können, feiert die Pfarrerin oder der Pfarrer auf ihr Verlangen das Abendmahl in der Wohnung, wenn möglich in Begleitung weiterer Gemeindeglieder.
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